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11. Juli 2011

Bericht von der Internationalen Walfangkommission

VON CAPTAIN PAUL WATSON

Das Aufklärungs- und Abfangboot der Sea Shepherd Conservation Society, die Brigitte Bardot lief am 9. Juli 2011 in den Hafen von Saint Helier auf der britischen Kanalinsel Jersey ein. Ich kam aus Saint-Malo in Frankreich über Guernsey nach Jersey, um dort mit der Mannschaft zusammen zu treffen. Und ich war nicht der Einzige der kam. Unsere Mitstreiter strömten aus Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Australien, Neuseeland, Brasilen und den USA zusammen.

Schnell wurde klar, dass niemand, der die Farben von Sea Shepherd trug, in das Hotel de France, wo das jährliche Treffen der Internationalen Walfangkommission (IWC) stattfindet, vorgelassen wird. Handelt der Hotelsicherheitsdienst auf Anweisung? Die Sea Shepherd Mannschaft sind Piraten und müssen draußen bleiben!

Davon abgesehen, gingen die japanischen Delegierten kein Risiko ein. Sie mieteten Bodyguards und wurden von einer Sicherheitsfirma in schwarzen SUVs mit getönten Scheiben umhergefahren. Wir müssen wahrlich schrecklich sein!

Auf der Insel Jersey, bekannt für seine Kühe und Kartoffeln, findet das dreiundsechzigste jährliche Treffen der IWC statt. Jersey ist eine hübsche Insel mit freundlichen Menschen. Es ist ein sehr passender Ort für das diesjährige Treffen, bei dem Großbritannien sich vorgenommen hat, die Korruption in der IWC aufzudecken und zu unterbinden. Großbritannien schlägt vor, die Praxis zu verbieten, dass teilnehmende kleine Nationen ihren IWC-Mitgliedsbeitrag in bar bezahlen (der ihnen zuvor von der japanischen Delegation zugesteckt wurde, im Tausch gegen ihre Stimme für den Walfang).

Der Britische Vorschlag wurde ursprünglich von 23 Mitgliedern der EU unterstützt, nur um am Veto Dänemarks zu scheitern. Daher konnte die Initiative nicht als EU-Initiative präsentiert werden. Wenn es um das Abschlachten von Walen geht, ist Dänemark der letzte Ort in der EU, wo der Gestank von sterbenden Walen das europäische Gewissen vergiftet. Dänemark unterstützt weiterhin Schmiergeldzahlungen und Korruption in der IWC, zusammen mit Japan, Island und Norwegen!

Eine weitere überraschende und unerfreuliche Entwicklung ist das peinliche Gebaren von Monica Medina, der US-amerikanischen Delegierten. Sie ist die erste US-amerikanische Vertreterin, die die Ziele des Walfang-Moratoriums von 1986 verrät. Entgegen des Versprechens von Präsident Barack Obama, verhandelt seine Regierung mit Japan den Walfang offiziell wieder zu erlauben. Medina hat den Japanern sogar auf deren Bitte hin versprochen, dass die US-Regierung Sea Shepherd den Gemeinnützigkeits-Status aberkennt. Scheinbar ist ihr nicht bekannt, dass eine fremde Nation die US-Regierung nicht bitten kann, die eigene Steuerbehörde als Waffe gegen US-amerikanische gemeinnützige Organisationen einzusetzen.

Hätte Wikileaks diese Dokumente nicht im letzten Jahr veröffentlicht, wüssten wir überhaupt nichts von diesen Hinterzimmer-Geschäften. Durch diese Veröffentlichung erfuhren wir ebenfalls, dass die USA im letzten Jahr zusammen mit Neuseeland einen Kompromiss zur Legalisierung des Walfangs im Walschutzgebiet im Südpolarmeer (mit Unterstützung von Organisationen wie Greenpeace) verhandeln wollte. Im Gegenzug dafür sollte die Fangquote verringert werden. Zu dem Zeitpunkt hatte Sea Shepherd alleine schon die Quote um etwa die Hälfte reduziert und im letzten Jahr sogar um fast 85%. Doch dieser Erfolg wurde ignoriert. Glücklicherweise wurde der Kompromissvorschlag von der EU, Lateinamerika und Australien abgeschossen, sehr zu Verlegenheit der USA, die dann versprachen den Plan ganz fallen zu lassen. Scheinbar jedoch versuchen die USA nun den Vorschlag mit einem neuen Namen als gemeinsame Eingabe mit Neuseeland durchzubringen.

Die Neuseeländer sind mehrzählig gar nicht glücklich mit dem Ausverkauf der Wale durch ihre Regierung, aber es scheint als wenn die Politiker sich Tokio mehr verpflichtet fühlen als Aotearoa.

Eine Sache ist klar: Die USA haben ihre langfristige Verpflichtung zur Verteidigung und zum Schutz der großen Wale aufgegeben, um sich mit den Japanern gut zu stellen. Präsident George H. W. Bush gab uns das Meeresschutzgebiet bei Hawaii und Präsident Barack Obama gab uns, nun? Verrat. Unnötig zu erwähnen, dass ich nicht noch einmal für Obama wählen werde. 2008 hatte ich große Erwartungen an seine neue Regierung, aber alle Hoffnungen sind verpufft, nun da wir in den Wahlkampf für das Jahr 2012 einsteigen.

Noch eine interessant Entwicklung ist die Tatsache, dass viele von Japans Marionetten-Nationen bisher nicht ihren IWC-Beitrag gezahlt haben. Das liegt wohl daran, dass Japan sich nur schwer von den drei Tiefschlägen Erdbeben, Tsunami und nuklearen Supergau erholt. Das hat dazu geführt, dass eine Reihe von Japans Speichelleckern ohne das übliche Taschengeld zur Party erschienen. Und kein Geld heißt keine Stimme. Japan, Norwegen, Island und Dänemark werden jetzt ohne die üblichen Nationen auf der Gehaltsliste mit ihrer Pro-Mord-Haltung deutlich schlechter da stehen.

Japan wird versuchen, bei diesem Treffen das weltweite Mitgefühl für die jüngsten Schicksalsschläge nutzen, um eine höhere Fangquote herauszuschlagen. Und wiederum wollen sie die USA, Australien und die Niederlande überzeugen, Sea Shepherd zu verbieten und uns unsere Flaggenregistrierung zu entziehen.

Heute morgen habe ich einen Brief an Dr. Simon Brockington, Generalsekretär des IWC, übergeben, mit der Bitte an dem Treffen teilnehmen zu dürfen, so dass Sea Shepherd sich gegen die Anschuldigungen Japans wehren kann. Aber wahrscheinlich werden wir wieder einmal nicht zugelassen und bleiben damit die einzige Organisation, die nicht teilnehmen darf.

Wahrscheinlich sollten wir stolz darauf sein. Es gibt keine andere Organisation, die mehr Wale rettet als Sea Shepherd. Wenn der Preis für unsere energische und höchst erfolgreiche Intervention der ist, dass wir bei einer langweiligen, unproduktiven Sitzung des IWC nicht dabei sein dürfen, dann ist das eben so. Trotzdem, ohne unsere Teilnahme wird die Sitzung des IWC zu einer Farce, wenn die japanische Delegation beantragt Sea Shepherd zu verbieten und wir nicht einmal die Gelegenheit bekommen, uns zu verteidigen.

Der Hauptgrund, weshalb wir in Jersey sind, ist jedoch um herauszubekommen, ob Japan plant im Dezember wieder im Südpolarmeer illegal Wale abzuschlachten. Sollte das so sein, wird Sea Shepherd ebenfalls zurückkehren und erneut ihre Versuche blockieren. Sollten sie wiederkommen, werden wir die Operation Divine Wind ausrufen und mit unseren Schiffen Bob Barker, der Steve Irwin und der Brigitte Bardot ebenfalls in die abgelegene, stürmische See des Walschutzgebiets im Südpolarmeer kommen und das tun, was wir am besten können: die Wale verteidigen!

Sea Shepherds Brief an den Generalsekretär der Internationalen Walfangkommission:

10. Juli 2011

An: Dr. Simon Brockington
Generalsekretär der Internationalen Walfangkommission

Von: Captain Paul Watson
Gründer und Präsident
Sea Shepherd Conservation Society

Sehr geehrter Dr. Brockington,

im Namen unseres Vorstands, unserer Beisitzer, der Mannschaft und Offizieren der Sea Shepherd Schiffe, unserer Mitarbeiter und internationalen Mitglieder, möchte ich Sie gerne um die Erlaubnis ersuchen, einen Sea Shepherd-Vertreter an der Sitzung der Internationalen Walfangkommission in Jersey teilnehmen zu lassen.

Die Sea Shepherd Conservation Society ist seit 1987 von der Teilnahme an den Sitzungen des IWC ausgeschlossen. Das sind 24 Jahre.

Ich möchte höflich zu Bedenken geben, dass es unfair ist, keinen Vertreter der Sea Shepherd Conservation Society zuzulassen, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass Japan Vorschläge einbringt, die unsere Organisation betreffen. Sea Shepherd war und ist es nicht gestattet Stellung zu nehmen und Beweise darzulegen, um sich gegen die Anschuldigungen der japanischen Walfänger zu verteidigen.

Die japanische Delegation hat ganz bewusst die Sea Shepherd Conservation Society auf ihre Agenda gesetzt. Die Japaner haben versucht die Delegierten anderer Nationen auf ihre Seite zu ziehen, um Sea Shepherd zu schaden. Sollte es uns nicht gestattet werden Fakten, Beweise und Dokumentationen gegen die falschen Anschuldigungen vorzubringen um unsere Position selbst verteidigen zu können?

Die Sea Shepherd Schiffe, Offiziere und Mannschaft gehen energisch aber gewaltlos gegen den illegalen japanischen Walfang vor. Bei keiner unserer Aktionen hat es Verletzte gegeben und wir wurden auch noch nie wegen unserer Aktivitäten strafrechtlich verfolgt. Will uns die IWC tatsächlich wegen Aktionen, die legal sind und keine Person verletzten ausschließen? Hätten wir nicht die Gelegenheit verdient uns selbst zu vertreten?

Die Sea Shepherd Conservation Society ist die Nicht-Regierungsorganisation, die am unmittelbarsten den illegalen japanischen Walfang im Walschutzgebiet im Südpolarmeer behindert. Es besteht keine Frage, dass wir diejenigen sind, die am meisten gegen die japanischen Walfangzüge ausrichten konnten und so sind wir auch mit der Situation der Walschutzes in Südpolarmeer bestens vertraut.

Die Sea Shepherd Conservation Society ist keine Protestorganisation, daher sind wir bei der IWC-Sitzung nur Beobachter. Unsere Organisation hat niemals eine Sitzung des IWC direkt gestört oder willentlich eine Störung herbeigeführt seitdem wir offiziell 1980 an den Treffen teilnahmen, und auch nachdem wir 1987 davon ausgeschlossen wurden. Sea Shepherds Engagement beschränkt sich auf die See, wo wir im Rahmen der Prinzipien der United Nations World Charter for Nature gegen illegalen Walfang vorgehen.

Wir bitten um die Gelegenheit, auf Fragen der Delegierten in Bezug auf die japanischen Anschuldigungen, antworten zu können. Und wir bitten auch um die Gelegenheit, Beweise vorlegen zu dürfen, die den Vorwurf, Sea Shepherd wäre eine Sicherheitsbedrohung auf offener See, entkräften. Außerdem bitten wir um die Gelegenheit, Beweismaterial vorzulegen, dass Japan im Südpolarmeer gegen die Vereinbarungen der Internationalen Walfangkommission verstößt.

Wir sind uns bewusst, dass wir auf Grund der japanischen, isländischen und norwegischen Walfanginteressen beim IWC nicht willkommen sind. Ich möchte jedoch höflich darauf hinweisen, dass diese Länder konkrete Gründe für ihre Verweigerung haben, vornehmlich die Tatsache, dass einige ihrer Aktivitäten verdächtig sind und wir Beweise haben, die für sie peinlich werden können.

Die Sea Shepherd Conservation Society erreicht durch die Fernsehsendung „Whale Wars“ Millionen von Menschen. Wir haben einen großen Anteil an den internationalen Schutzbemühungen und wir denken, dass unsere Sicht der Dinge, ganz besonders über den Konflikt zwischen Walfang und Walschutz im Walschutzgebiet Südpolarmeer, für die Delegierten von Interesse wäre.

Aus diesem Grund, Herr Generalsekretär, bitten wir darum, dass die Sea Shepherd Conservation Society als Nicht-Regierungsorganisation wieder bei der IWC als Beobachter zugelassen wird.

Mit freundlichen Grüßen,

Captain Paul Watson
Gründer und Präsident (1977-2011)
Sea Shepherd Conservation Society




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